Wenn dein Körper mehr kann, als du denkst

Woran ich merke, dass ich stärker werde

ca. 4 Minuten

Wenn ich mich nur auf die Waage verlassen würde, hätte ich in manchen Wochen das Gefühl, es passiert überhaupt nichts. Dabei passiert eine Menge – nur eben nicht dort, wo ich früher immer als Erstes hingeschaut habe. Der ganze Fortschritt spielt sich woanders ab.

Ich führe mein Training mit: jede Übung, jedes Gewicht, jede Wiederholung, wie viele ich noch in Reserve hatte. Und da sehe ich schwarz auf weiß, was die Waage verschweigt. Letzte Woche waren es acht saubere Wiederholungen, diese Woche zehn. Das Gewicht, das vor einem Monat schwer und wackelig war, ist heute mein Aufwärmen. Das steht da, unbestechlich, in Zahlen, die ich selbst bewegt habe.

Stärker werden ist ein Fortschritt, den man nicht wegdiskutieren kann. Er steht in den Zahlen, die man selbst gehoben hat.

Das hat meinen Blick auf den ganzen Prozess verändert. An einem Tag, an dem die Waage stur stehen bleibt, habe ich trotzdem einen handfesten Beleg, dass es vorangeht. Das nimmt der Waage die Macht, mir mit einer einzigen Zahl die Laune und die Motivation zu ruinieren.

Und es geht nicht nur um Zahlen im Trainingsheft. Es ist die Treppe, die nicht mehr außer Atem bringt. Der Einkauf, den ich in einem Rutsch nach oben trage. Die Ausdauer, mit meinem Kind zu spielen, ohne nach zehn Minuten schlappzumachen. Lauter kleine Belege, die zusammen ein viel ehrlicheres Bild ergeben als eine einzelne Zahl am Morgen.

Fortschritt ist selten nur eine einzige Kurve. Meistens sind es mehrere gleichzeitig – und wenn eine gerade Pause macht, ziehen die anderen weiter. Man muss nur bereit sein, auch dorthin zu schauen.

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