Wenn dein Körper mehr kann, als du denkst
Ich will eine Human Flag können
Irgendwann bin ich in Reels über Calisthenics gestolpert – diese Menschen, die sich seitlich, komplett waagerecht, an einer Stange halten, die sogenannte Human Flag. Ich fand die Körperkontrolle so beeindruckend, dass ich einen Gedanken hatte, der mich selbst überrascht hat: Das will ich auch können. Egal, wie lange es dauert.
Das Bemerkenswerte an diesem Gedanken ist gar nicht das Ziel selbst. Es ist, dass er überhaupt kam. Bei jemandem, der jahrelang einen Körper hatte, der einfach nur da war – von dem niemand, ich selbst am allerwenigsten, erwartet hätte, dass er zu solchen Dingen fähig sein könnte. Früher hätte ich so ein Video gesehen und gedacht: „Schön für die." Nicht: „Das mache ich auch."
Und wie schon beim Abnehmen war mein erster Schritt, die KI zu fragen: Wie stelle ich das an? Wo fange ich an, welche Kraft brauche ich zuerst, welche Vorübungen führen dahin, in welcher Reihenfolge baue ich das auf? Aus einem großen, fast absurden Ziel wurde so ein Weg mit einzelnen, machbaren Schritten.
Ein Körper, der etwas kann, statt nur zu existieren – das ist der größte Unterschied, den ich gespürt habe. Größer als jede Zahl auf der Waage.
Es gibt kaum einen besseren Antrieb, als zu merken, dass der eigene Körper plötzlich Dinge leistet, statt nur zu funktionieren. Jede kleine Steigerung ist ein spürbarer Beweis, dass sich etwas bewegt – unabhängig davon, was die Waage gerade sagt. Das ist eine ganz andere Motivation als „ich muss abnehmen": Sie zieht nach vorne, statt zu schieben.
Ob ich die Human Flag irgendwann wirklich stehe, ist fast zweitrangig. Der Punkt ist, dass ich mir so ein Ziel überhaupt zutraue und weiß, wie ich es angehe. Abnehmen war nie das Ende. Es war die Tür zu allem, was ich meinem Körper vorher nicht zugetraut habe.