Wenn dein Körper mehr kann, als du denkst

Von 2000 auf 6000 Schritte, ohne es zu merken

ca. 4 Minuten

Ich diktiere diesen Text gerade auf meinem Walking Pad. Das ist ein Satz, den ich vor ein paar Jahren nicht hätte sagen können – nicht, weil mir das Gerät gefehlt hätte, sondern weil mein Körper von so etwas weit entfernt war. Mit über 100 Kilo war „sportlich" ein Wort für andere Menschen. Bewegung war für mich anstrengend, unangenehm und mit dem stillen Gefühl verbunden, ohnehin nicht dafür gemacht zu sein.

Damals war ein Tag mit 2000 Schritten für mich ein guter Tag. Heute wundere ich mich, wenn ein Tag unter 6000 bleibt, und frage mich, ob ich krank werde. Dazwischen liegt kein großer Vorsatz, keine Challenge, kein „ab jetzt bewege ich mich mehr" mit Trotz und Zähnezusammenbeißen.

Bewegung ist bei mir nicht das Ziel geworden. Sie ist ein Nebenprodukt davon, dass mein Körper wieder mehr kann.

Je leichter und fitter ich wurde, desto mehr traute ich meinem Körper zu, und desto selbstverständlicher wurde Bewegung. Nicht als Pflicht, die ich mir abringe, sondern weil es sich schlicht gut anfühlt. Ein Spaziergang ist kein Programmpunkt mehr, den ich absolviere, sondern etwas, das ich von selbst mache, weil es angenehm ist.

Das ist ein Kreislauf, der in die richtige Richtung dreht: Weniger Gewicht macht Bewegung leichter, mehr Bewegung macht den ganzen Prozess leichter, und irgendwann trägt es sich selbst. Der Schrittzähler ist dabei von einer Quelle für schlechtes Gewissen zu einer stillen Bestätigung geworden – nicht etwas, das ich erreichen muss, sondern etwas, das einfach passiert.

Das ist der Teil am Abnehmen, über den selten jemand spricht. Nicht nur die Zahl auf der Waage ändert sich. Ändern kann sich, wie viel dein Alltag dir überhaupt zutraut – und wie viel du dir selbst zutraust. Und dieser Teil bleibt, auch wenn die Waage längst nicht mehr das Wichtigste ist.

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